
Berlin, 29. August 2025 – im Rahmen einer Veranstaltung zu seinem einjährigen Bestehen hat das House of Finance & Tech Berlin (HoFT.Berlin) gemeinsam mit der Financial Health Initiative e.V. heute erstmals fundierte Daten zur finanziellen Gesundheit der Berliner Bevölkerung vorgestellt: Mit einem durchschnittlichen Financial Wellbeing Score von 52,6 Punkten liegt Berlin nahezu gleichauf mit dem bundesweiten Durchschnitt (52,86 Punkte). Der Wert fällt in die Kategorie „mittel-hoher finanzieller Gesundheit" – eine Stufe, in der viele Menschen ihre finanzielle Situation als grundsätzlich stabil empfinden.
„Mit dieser Erhebung schaffen wir erstmals eine faktenbasierte Grundlage für gezielte Innovation im Bereich finanzieller Gesundheit. Sie dient als strategischer Ausgangspunkt, um die Wirkung neuer Ansätze aus dem Ökosystem besser einschätzen zu können.", so Dr. Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des House of Finance & Tech Berlin.
Der Financial Wellbeing Score basiert auf dem international anerkannten Modell des US-amerikanischen Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) und erfasst, wie sicher und frei sich Menschen in ihrer finanziellen Situation fühlen. Die Erhebung kombiniert subjektive Einschätzungen – etwa zur Fähigkeit, finanzielle Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen oder unerwartete Ausgaben zu bewältigen – mit objektiven Merkmalen wie Bildung, Beruf, persönlichem Einkommen, Alter und Geschlecht. Die Befragung erfolgte im Juli 2025 unter 1.292 Berlinerinnen und Berliner im Rahmen eines repräsentativen Panels.
Vor dem Hintergrund bereits existierender bundesweiter Auswertungen zur finanziellen Gesundheit liegt mit der Berliner Erhebung erstmals eine differenzierte Betrachtung auf Ebene eines Bundeslandes vor. Zwar wurde bereits eine vergleichbare Studie für München veröffentlicht (Score: 55,03 Punkte), eine umfassende Auswertung auf Landesebene gab es bislang jedoch nicht.
Berlin gleichauf mit Bund – aber mit höherer Ungleichheit
Mit einem durchschnittlichen Financial Wellbeing Score von 52,6 Punkten liegt Berlin nahezu gleichauf mit dem Bundesdurchschnitt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Innerhalb der Stadt scheint die finanzielle Gesundheit ungleicher verteilt zu sein. In Berlin zeigen sich bei der Verteilung der Scores weniger mittlere Ausprägungen, dafür ein erhöhter Anteil an Befragten mit besonders niedrigen oder besonders hohen Werten. Das weist auf eine stärkere Ungleichverteilung der finanziellen Gesundheit innerhalb der Stadt hin. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass 44 Prozent der Befragten in Berlin angaben, eine unerwartete größere Ausgabe bewältigen zu können – ein leicht höherer Wert als im Bundesdurchschnitt, wo nur 41 Prozent dieser Aussage zustimmten.
Besonders betroffen von niedrigeren Scores sind Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. So geben 37 Prozent der befragten Frauen an, unerwartete Ausgaben nicht stemmen zu können – bei den befragten Männern sind es 27 Prozent. Anders als im bundesweiten Vergleich, wo sich kaum geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen, ist der Abstand in Berlin ausgeprägter. Auch Menschen mit Migrationshintergrund erreichen in der Hauptstadt niedrigere Scores – ein Unterschied, der auf Bundesebene nicht beobachtet wurde. Ein schlechter gesundheitlicher Zustand steht ebenfalls häufig in Zusammenhang mit einer geringeren finanziellen Gesundheit.
„Wir unterstützen die Entwicklung der Fintech Branche in Berlin, weil sie unsere Wirtschaftskraft stärkt und neue Arbeitsplätze schafft. Frankfurt mag der traditionelle Top-Bankenstandort sein - im Fintech-Bereich ist Berlin bundesweit ganz klar die Nummer 1.
Unternehmen dieser Branche bieten ihren Kunden mit innovativen digitalen Dienstleistungen und Produkten niedrigschwellige Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Finanzen und Vorsorgemaßnahmen.
Die Ergebnisse der Untersuchung zur finanziellen Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner unterstreichen sehr deutlich, wie die individuelle finanzielle Verfassung auch unsere gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität beeinflusst.
Das ist ganz klar ein Einsatzfeld für Lösungen aus der Fintech Branche. Ich sehe hier gerade in Berlin großes Potenzial für Innovationen, die den Alltag der Menschen verbessern können.
Es ist aber auch ein Auftrag an uns als Politik für echte Chancengerechtigkeit zu sorgen. Solange Geschlecht, Herkunft oder körperliche Einschränkungen für die finanzielle Gesundheit von Menschen entscheidend sind, läuft in unserer Gesellschaft etwas falsch. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine soziale Frage, ja sogar eine Frage nach der Stabilität unserer Demokratie.
Deshalb bleibt das auch für mich in meiner Arbeit als Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin ein zentrales Thema.", betont Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
Unterschiede zwischen Ost und West nicht signifikant
Erstmals liegt eine Auswertung des Financial Wellbeing Scores auf Bezirksebene vor. Die Ergebnisse zeigen: Die Bezirke liegen beim Financial Wellbeing Score größtenteils nah beieinander – mit wenigen Ausreißern nach oben und unten. Steglitz-Zehlendorf belegt mit 56,6 Punkten den Spitzenplatz, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (55,1 Punkte). Das Schlusslicht bildet Neukölln mit einem Score von 50,6 Punkten. Auffällig ist der hohe Wert von Marzahn-Hellersdorf: Mit 54,3 Punkten liegt der Bezirk deutlich über dem Berliner Durchschnitt. Ein signifikanter Unterschied zwischen West und Ost konnte nicht festgestellt werden.
Über das House of Finance & Tech Berlin
Das House of Finance & Tech Berlin (HoFT.Berlin) ist eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem Land Berlin und Akteuren aus der Finanz- und Technologiebranche. Es wurde gegründet, um Berlin als führenden Fintech-Standort in Europa zu stärken und die Branche strukturell weiterzuentwickeln. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe fördert das HoFT.Berlin in den Jahren 2024/25 mit einer Anschubfinanzierung von 3,5 Millionen Euro.